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Gedenkveranstaltung Kagran 2011 »Nie wieder Gleichschritt!«

Aus der Einladung des »Personenkomitee Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz«

Wir feiern ein Jubiläum: Heuer findet im Donaupark zum zehnten Mal unsere Gedenkveranstaltung »Nie wieder Gleichschritt!« statt, mit der wir seit 2002 zu einem würdigen Erinnern an die Opfer der NS-Militärjustiz beitragen wollen.

In der vergangenen Dekade haben wir viel erreicht: Das Anerkennungsgesetz 2005 beseitigte die sozialrechtlichen Benachteiligungen für die Opfer der NS-Militärjustiz und erklärte diese als anspruchsberechtigt im Sinne des Opferfürsorgegesetzes. Im Jahr 2009 brachten wir die deutsche Ausstellung »›Was damals Recht war …‹ – Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht« nach Österreich, die maßgeblich dazu beitrug, dass am 1. Dezember 2009 das Aufhebungs- und Rehabilitationsgesetz in Kraft trat, mit dem nun die Opfer der NS-Militärjustiz und zahlreiche andere, bislang marginalisierte Opfergruppen des Nationalsozialismus pauschal und umfassend rehabilitiert sind. Weiters haben sich SPÖ und Grüne im Wiener Koalitionsübereinkommen aus dem Jahr 2010 dazu verpflichtet, in Wien ein Deserteursdenkmal zu errichten; es wäre das erste in Österreich.

Es gibt also einiges zu feiern, aber nach wie vor auch Dinge, für die zu kämpfen nötig ist – insbesondere die rasche Umsetzung des Deserteursdenkmals halten wir für ein Gebot der Stunde.

Wir würden uns daher über Ihr zahlreiches Erscheinen sehr freuen. Dies würde uns dabei helfen, unseren Forderungen den nötigen Nachdruck zu verleihen.

Die Einladung als PDF: Einladung 2011

Hier der Bericht samt Bilder vom letzten Jahr: Bericht Gedenkverstaltung 2010

„Aufrechterhaltung der Manneszucht“

Verfahren gegen Selbstverstümmler durch die nationalsozialistische Militärjustiz

Personen wurden aus unterschiedlichen Gründen von der NS-Militärjustiz verfolgt, gefoltert und ermordet. Die persönlichen oder politischen Motive zu bestimmen ist fast unmöglich, aber auch unnötig: Alle die auf die eine oder andere Weise „nicht mitgemacht“ haben, waren „Bremsklötze am Siegeswagen der Nation“. Eine kleine Gruppe – neben SaboteurInnen, Deserteuren, Wehrdienstverweigerern – waren Personen, die sich selbst verletzten/schädigten um nicht (weiter) dienen zu müssen. In Wien wurde vor allem ab 1944 konzentriert Jagd auf diese Gruppe „die Hand an sich selbst legten und so die Manneszucht gefährdeten“ gemacht, Netzwerke aus DenunziantInnen und InformantInnen gesponnen, infiltriert und gefoltert.

In dieser Veranstaltung wollen wir die verschiedenen Formen der Selbstverstümmelung darstellen, die wenigen vorhanden Geschichten von Selbstverstümmlern erzählen. Daneben soll Selbstverstümmelung als Form der Entziehung im Kontext der NS-Militärjustiz genauer betrachtet werden und auch einige basics zur NS-Militärjustiz transportiert werden.
26. August 2011, 19:00
Ernst-Kirchweger-Haus (Medienwerkstatt, 2.Stk)

thematisch dazu passend gibts auch gleich eine Stadtrundfahrt:

Stadtspazierfahrt (mit Fahrrad)

Route: Hardtmuthgasse (zentrale Haftanstalt) > Krankenhaus Rudolfstiftung (Cafe neben Lazarett als Treffpunkt von Selbstverstümmlern) > Rossauerkaserne (Verhöre/Folter Wehrmachtsstreife) > Arbeiterstrandbad (Treffpunkt von Selbstverstümmlern) > Donaupark Kagran (Hinrichtungsort)
28.August 2011, Treffpunkt: 15:00
10.Bezirk, Hardtmuthgasse Ecke Suchenwirtplatz

(je nach Wetter, Laune und Puste wird die Strecke angepasst oder verkürzt.)

Flyer

Mehr Stadtspaziergänge, weniger Habsburger

Es ist schon Mitte Juli, somit tiefster Sommer und schon lange her seit dem letzten Stadtspaziergang zur NS-Militärjustiz in Wien. Außerdem interessieren sich grad alle ob des Todes von Otto dem Letzten scheinbar für Geschichte, Kaiserstadt, Monarchie, Ruhm und Glanz vergangener Zeiten. Wien hat zweifellos viel Geschichte, sehr viele Aspekte werden aber gekonnt unter den Tisch fallen gelassen; darunter fällt auch das Netzwerk der NS-Militärjustiz in Wien, seiner Orte, seiner Opfer, seiner TäterInnen….

Wir besuchen an zwei Terminen diese Orte und gehen bzw. radeln Teile des Netzwerks ab. *** trotz Regen ***
Stadtspaziergang in der Innenstadt, 22.7.2011
Treffpunkt: 15:00 Votivpark (beim Brunnen zwischen Kirche und Universitätsstraße)
Route: Rossauerkaserne (Verhöre/Folter Wehrmachtsstreife) > Hohenstaufengasse (Divisionsgericht) > Universitätsstraße (Gericht der Wehrmachtskommandantur) > Landesgericht (Haftort für TodeskandidatInnen, Hinrichtungsort)
*** trotz Regen ***

Stadtspazierfahrt (mit Rad), 27.7.2011
Treffpunkt: 15:00, 10.Bezirk, Hardtmuthgasse Ecke Suchenwirtplatz
(je nach Wetter, Laune und Puste wird die Strecke angepasst oder verkürzt; Die Strecke folgt im weitesten Sinne der Erzählung des Gefangenenseelsorgers Dr. Franz Loidl eines Gefangenen auf dem Weg von Favoriten zum Schießplatz Kagran)
Route: Hardtmuthgasse (zentrale Haftanstalt) > Schwindgasse (Reichskriegsgericht und Luftwaffengericht) > Stubenring (Divisionsgericht) > Rossauerkaserne (Verhöre/Folter Wehrmachtsstreife) > Donaupark Kagran (Hinrichtungsort)

Stadtspaziergang 27.5.2011

Von 27. – 29. Mai 2011 findet in Wien der Kongress „Recht und Herrschaft“ statt, organisiert von der Studigruppe recht.links. Eine Möglichkeit sich die Beine vor den Eröffnung zu vertreten ist der Stadtspaziergang zur NS-Militärjustiz. Dieser geht nicht nur durchs Universitäts- und Campusviertel sondern klappert zugleich einige der wichigsten Standorte der NS-Militärjustiz in Wien ab.

Ablauf und Inhalt: Hohenstaufengasse 3 als Beispiel für einen Gerichtsstandort mit einem Schwerpunkt auf Verfolgung von „Selbstverstümmlern“, die Rossauerkaserne als Verhör- und Folterort der Wehrmachtsstreife und das Landesgericht als Hinrichtungsort. Abgerundet wird der Spaziergang mit den basics zur NS-Militärjustiz (Ideologie und Größenordnung, Entwicklung in Wien, Gesetzesgrundlagen), Brüche und Kontinuitäten (Bsp. Erich Schwinge, NS-Militärrichter und führender Rechtskommentator nach ’45) und Platz für Diskussion und Fragen.

Treffpunkt: Juridikum, Ecke Hohenstaufengasse/Helferstorferstraße, 15:00

Stadtspaziergänge 2011

2011 soll’s auch wieder Stadtspaziergänge geben. Der Erste startet am 6.5.2011 und nimmt sich eine umfassende Tour vor: Vom Zentrum (1./9. Bezirk, Gerichte und Folter) geht’s in den 19. Bezirk zu einem bisher noch nicht besuchten Standort: Dem ehemaligen Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis XIX in der Gatterburggasse 12, dem heutigen Bezirksamt.

Treffpunkt: 16:00 beim Brunnen im Votivpark.
Route: Neues Institutsgebäude > Hohenstaufengasse > Rossauer Kaserne > Gatterburggasse 12 (19. Bez.)
Der Spaziergang findet auf Interesse der Rathaus-Grünen im Zuge der Aktionen zum 8.Mai/Befreiung statt, Link.

coming up: Weitere Spaziergänge und -radfahrten werden wir in Kürze ankündigen.

Ein Denkmal für Deserteure – Vorträge und Diskussion

Montag, 4. April, 19.00 im Depot, Breitegasse 3, 1070 Wien
2009 rehabilitierte die Republik Österreich die Opfer der NSMilitärjustiz. Das zwischen SPÖ und Grünen abgeschlossene Wiener Regierungsübereinkommen sieht nun die Errichtung eines Deserteursdenkmals vor und kommt damit einer langjährigen Forderung des Personenkomitees Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz nach, das seine Positionen zum geplanten Denkmal zur Diskussion stellt.

Anmerkungen zur Auseinandersetzung um die
Deserteursdenkmale in der Bundesrepublik Deutschland

Magnus Koch, Historiker, Hamburg

Erinnerungspolitik und Erinnerungsorte in Österreich
Heidemarie Uhl, Historikerin, Wien

Gedenkorte für die Opfer der NS-Militärjustiz in Wien
Paula Bolyos, Politikwissenschafterin, Wien

Einige Grundthesen zum Denkmal
Thomas Geldmacher, Personenkomitee Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz, Wien

Moderation: Eva Blimlinger, Historikerin, Wien

In Kooperation mit dem Personenkomitee Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz

Zeitzeugen-Bericht Roman Haller

Das mit dem Nicht-Aktualisieren der Stadtspaziergänge – wie im Vorvorpost angekündigt – bleibt zwar aufrecht, wir dürfen aber – durchaus auch ein bisserl stolz – anmerken, dass wir einen weiteren Zeitzeugen-Bericht online gestellt haben: Roman Haller

Roman Haller war nach 1945 Maler in Wien; 1939 desertierte er aus der Wehrmacht, wurde gestellt und einer Bewährungseinheit in der Marine zugeteilt. Seine Verfolgungsgeschichte beinhaltet das Polizeigefängnis Rossauer Lände, die Wehrmachtsstreife, das Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis in der Hardtmuthgasse 42 und das Gericht der Wehrmachtkommandantur in der Universitätsstraße 7.

Seine Geschichte wird im Roman „Mein erster Mörder“ von Vladimir Vertlib (Deuticke, 2006) bearbeitet. Vladimir Vertlib hat dem AK Denkmalpflege dankenswerter Weise das 1997 geführte Originalinterview zur Verfügung gestellt, dass nun in der Rubrik ‚Stadtspaziergang‘ zu finden ist. Bericht Roman Haller

Update: 9.12.2010: So, jetzt geht der Bericht von Haller auch wirklich…

Bericht Gedenkveranstaltung 2010

Am 26. Oktober 2010 fand zum neunten Mal eine Gedenkveranstaltung im Donaupark Kagran statt. Das Umfeld der Gedenktafel erschien insofern erfreulich hell, als das Umfeld entwaldet wurde und somit auch ein besserer Blick auf die Gedenktafel möglich war. Das Grüppchen Leute lauschte der Begrüßung von Thomas Geldmacher und den Ausführungen von Richard Wadani und David Ellensohn.

Wadani vor der Tafel
Richard Wadani ging in seinem Redebeitrag unter Anderem kurz auf die neue rot-grüne Wiener Stadtregierung ein, die sich im Regierungsübereinkommen ja auf ein Denkmal für Deserteure geeinigt hat. Das ist tatsächlich eine für die wenigen Interessierten im Bereich der NS-Militärjustiz eine nicht unwesentliche Frage, zumal die Frage nach Denkmälern äußerst kompliziert ist. In diesem Zusammenhang sei auf den überhaupt ersten Post in diesem Blog verwiesen in dem zu lesen ist:

1-2-3-viele-deserteursdenkmäler. am heldenplatz, am stephansplatz, in jedem kaff.

Der zweite Redebeitrag von David Ellensohn umfasste mehrere Themen; Nebst persönlichem und politischen zeigte er vor allem die Qualität des Netzwerks der NS-Militärjustiz in Wien auf, indem er ausführte, dass sich in fast jedem Bezirk ein Ort der Verfolgung der NS-Militärjustiz befand. Zum Denkmal äußerte er sich nicht ausführlich, dazu war es wohl noch zu früh. Wir sind mal kritisch gespannt, wie sich die Grünen in der Regierung noch tun…

Kranzniederlegung

Pause 2010

Nach doch sehr viel Aktivität im Jahr 2009 haben wir uns für 2010 mal eine Pause gegönnt. Das heißt, dass wir zur Zeit weder Stadtspaziergänge anbieten noch den Spaziergang aktualisieren. Wir hoffen aber mit neuer Energie irgendwann in der Zukunft wieder solche anbieten können. Bis dahin danke für euren Support.

Do. 17.12. Diskussion im EKH

Die Winterpause ist doch nicht so lang wie wir alle dachten, nicht zuletzt weil wir eingeladen wurden einen Abend im EKH mitzugestalten…

Donnerstag, 17.12. / 20.00 / Polit-Diskubeisl im EKH

AK Denkmalpflege

Dieses Mal beehrt uns die Gruppe “AK Denkmalpflege”, eine vergangenheits-politische Initiative aus Wien, die sich die umfassende Auseinandersetzung mit – und die Rehabilitierung von Opfern der NS-Militärjustiz zur Aufgabe macht. Die Gruppe wird sich an dem Abend kurz vorstellen und ihre bisherige Arbeit darstellen um daran anknüpfend verschiedene Aspekte offizieller und emanzipatorischer Gedenkarbeit kritisch zu beleuchten: Männliche Dominanz und linke Mythologisierungen(z.B. PartisanInnen) im Kontext erinnerungspolitischer Arbeit wären da nur zwei mögliche Themenfelder.

Anschließend besteht die Möglichkeit gemeinsam über Perspektive und Begrenztheit linksradikalen Gedenkens und weitere Fragen zu diskutieren.

Ernst Kirchweger Haus
Wielandgasse 2-4,
1100 Wien
[Medienwerkstatt im 2. Stock]