Warum [ ] ?

Wir gehen davon aus, dass in Österreich keine Auseiandersetzung mit den Opfern der NS-Militärjustiz gibt, folglich gibt es an den Orten der NS-Militärjustiz kein Gedenken und keine Hinweise. Wir wollen nicht nur auf die gesellschaftliche Nicht-Würdigung hinweisen, sondern auch die Orte benennen. Die Klammern bezeichnen einen Raum, an dem nichts ist.

Der Vorschlag, eckige Klammern zur Kennzeichnung von Orten der NS-Militärjustiz zu machen, hat mehrere Gründe:

  • Auf der Hardtmuthgasse 42, ehemaliges Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis und Haftort für verurteilte Deserteure vor ihrer Ermordung, hängt keine Hinweistafel – obwohl noch immer Häf‘n.
  • Auf der Rossauer-Kaserne, Schauplatz von Verfolgung, Festnahme und Folterung von sog. Selbstverstümmlern, hängt keine Hinweistafel – obwohl noch immer Kaserne.
  • Auf der Hohenstauffengasse 3, Verurteilungsort für die meisten Opfer der NS-Militärjustiz in Wien, gibts keine Hinweistafel – obwohl heute BKA.
  • Auch nicht auf dem Landesgericht, der Trostkaserne, am Zentralfriedhof, etc.

    Die Klammern sind also im Fall von Gebäuden, die Orte des Wirkens der NS-Militärjustiz waren, eine Möglichkeit der kurzfristigen Sichtbarmachung.
    Diese Sichtbarmachung soll in Stadtspaziergängen hergestellt werden.

    Auch konnten wir bisher kein Denkmal für Opfer der NS-Militärjustiz, etwa Deserteure oder Selbstverstümmler, finden. Das finden wir vor allem bezeichnend für eine Nachfolgenation des Nationalsozialismus, dem bis heute nichts Besseres einfällt, als sich als „Erstes Opfer“ darzustellen, demnach alle richtig gehandelt hätten: WiderstandskämpferInnen wie SS-ler. Deserteure aber, die seien immer zu verfolgen: Vor, während und nach dem Nationalsozialismus.
    Es ergeben sich jede Menge Probleme und Tücken bei der Erstellung eines passenden Denkmals für diese Opfergruppe: Darstellung von Männern, Männlichkeit ? Wie eine Maschienerie und die Entziehung von dieser darstellen ohne nach einem Kriegerdenkmal/Militarismusdenkmal auszuschauen ?
    Wir finden die Klammern auch im Fall von dreidimensionaler Darstellung der Abwesenheit eines adäquaten Gedenkens an die Opfer der NS-Militärjustiz – etwa am Wiener Heldenplatz – eine passende Form.

    Diese Sichtbarmachung ist für eine Miniinitiative weniger einfach umzusetzen, aber vielleicht findet sich ja noch wer…